BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Menden

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Menden

Familienpass - so schnell wird Service zum Zwang

14. Januar 2012

Im Sportausschuss sprachen sich CDU, FDP, USF und SPD dafür aus, dass der ermäßigte Eintritt für alle Kinder und Jugendlichen gestrichen wird. Stattdessen soll er zukünftig nur noch bei Vorlage eines Familienpasses genehmigt werden.

 

Die GAL erklärte am 13.01. dazu:

Familienpass: Hürde oder bürokratische Hilfe?

Gegen unsere Stimmen der GAL-Fraktion wurde im Sportausschuss die Beibehaltung der generellen Ermäßigung für Kinder/Jugendliche von der Mehrheit der Fraktionen abgelehnt. Stattdessen stimmten CDU, SPD und FDP dafür, dass es ermäßigten Eintritt nur noch geben soll, wenn die Eltern einen Familienpass der Stadt Menden beantragt haben.

Damit müssen nun zwei Drittel der Mendener Kinder und Jugendlichen den vollen Eintritt von 4 € zahlen, weil ihre Eltern diesen Pass nicht beantragt haben, das sind 2,50 € mehr als zuvor. Die Gründe mögen vielseitig sein: mangelnder Bekanntheitsgrad, fehlende Sprachkennntnisse, Unsicherheit in Behördengängen, usw. - für viele Menschen sind das große Hürden.


Leer gehen nun auch alle Kinder aus, die z.B. aus Balve oder Fröndenberg mit ihren Schulfreunden aus Menden einen Nachmittag im Hallenbad verbringen wollen. Auch sie müssen fortan den Erwachsenentarif zahlen.

Es wäre doch so einfach gewesen: Kind kommt ins Hallenbad, Kassiererin sieht Kind, es gibt Ermäßigung und fertig. Jetzt muss die Familie vorher einen Familienpass beantragen, die Kassiererin muss danach fragen und wehe der Pass liegt zu Hause. Und nicht zu vergessen: Der Antrag muss bearbeitet werden, der Pass und Werbung müssen gedruckt werden. Dies sind Gelder, die man pragmatischer für Familien einsetzen kann.

Wichtig noch zu erwähnen: Beide Varianten hatten die gleiche Einsparung kalkuliert, mit der Ausnahme, dass Kinder aus anderen Kommunen auch begünstigt würden. Wir sind der Meinung, dass dies vertretbar gewesen wäre, denn nun ist zu befürchten, dass viele Kinder und Jugendliche ganz fernbleiben.

Für die GAL-Fraktion

Tina Reers

 

Am 14.01. erschien im Hellweger Anzeiger ein Kommentar, in dem Dirk Becker u.a. erklärte, diese Entscheidung des Sportausschusses solle als Vorbild dienen für weitere überprüfungen von Gebührenstrukturen z.B. an der Musikschule. Denn so würden speziell Mendener Familien entlastet.

Hierauf haben wir mit einem Offenen Brief geantwortet:

Sehr geehrter Herr Becker,

die Einschätzung in Ihrem Kommentar vom 14.01., dass Ermäßigungen nur noch für Familienpass-Inhaber vorbildlich seien, können wir so gar nicht teilen. In Menden leben gut 7.000 Familien mit mindestens einem minderjährigen Kind. Ausgegeben wurden seit 2009 aber nur 2.018 Familienpässe. Mehr als zwei Drittel der Mendener Kinder und Jugendlichen können also zur Zeit keinen ermäßigten Eintritt im Hallenbad bekommen.

Diese Entwicklung geht in die falsche Richtung! Wollen wir denn wirklich, dass Mendener Eltern erstmal einen Antrag stellen müssen, bevor ihre Kinder in unserer Stadt eine Ermäßigung erhalten können? Wir haben beim Bildungs- und Teilhabepaket im letzten Frühjahr doch erlebt, dass gerade die Familien, die davon profitieren sollten, mit bürokratischen Abläufen große Probleme haben.

Was ist mit Familien mit besonderen Belastungen, z.B. psychisch kranke Eltern, Alkoholsucht, u.ä.? Was ist mit den Jugendlichen, die grade Stress mit ihren Eltern haben? Was ist mit denen, die nicht bei ihren Eltern leben, sondern in einer Betreuungsmaßnahme? Was mit denen, deren Eltern diesen vermeintlich kleinen Schritt nicht schaffen? Solange diese Risiken der Nichtteilhabe bestehen, wäre der Vorschlag der Verwaltung der Sauberste gewesen.

Der Familienpass wurde eingeführt, um „eine Steigerung der Serviceleistungen für Familien zu erreichen" - so die Begründung im damaligen Beschluss. Dies geschieht hier aber nicht - im Gegenteil: Eine bestehende Ermäßigung für alle Kinder und Jugendlichen (und damit auch für den Geldbeutel der Eltern) wird gestrichen und nur noch denen gewährt, die einen solchen Pass haben.

Aus einem Familienpass, der mehr für Familien erreichen sollte, wird plötzlich eine Bedingung, die erfüllt werden muss.

Wir finden, dass eine Stadt, die familienfreundlich sein will, dies auch selbstverständlich leben muss und nicht an ein Formular knüpfen darf!

Für die GAL-Fraktion

Peter Köhler

 

 

"