Schulwege: Eignung für Kinder muss Maßstab sein
Artikelinfos:
Datum: 20.12.2010Ihre AnsprechpartnerInnen:
-
Ingrid Ketzscher ist Vorsitzende des Grünen Ortsverbandes. Sie ist stellv. Sprecherin der Ratsfraktion, Mitglied im Integrationsrat und kinder- und jugendpo-litische Sprecherin der GAL.
-
Doris Rosenthal-Rehbein ist Ratsmitglied und Sprecherin der GAL für Schule und Kultur.
Sich ein eigenes Bild machen von den tatsächlichen Bedingungen auf Schulwegen in Menden, das stand am Montagmorgen ab 6.40 Uhr für die Grünen Politikerinnen Dagmar Hanses (jugend- und rechtspolitische Sprecherin der Landtagsfraktion) und Ingrid Ketzscher (kinder- und jugendpolitische Sprecherin der Mendener GAL) auf dem Programm.
Dagmar Hanses hatte sich aus Warstein früh durch den Tiefschnee gekämpft. Sie wollte als stellv. Mitglied im Petitionsausschuss an diesem Tag, einem der kürzesten im Jahr, nacherleben, was Schülern aus Bösperde abverlangt wird, die bei Dunkelheit den Schulweg antreten und zum Teil weite Strecken laufen müssen.
Für den getesteten Weg von Bösperde zum Schulzentrum, der Gegenstand eines Petitionsantrages von Reinhard Büttinghaus ist, wurde zuvor noch eine Schülerfahrkarte gezahlt. Dann aber hat die Stadt kritisch nachgemessen und dabei u.a. das Wegende auf die Grenze des Schulgrundstücks statt wie vorher zur Schultür festgelegt. Nun liegt für diese Schüler der Schulweg plötzlich knapp unter den geforderten 3,5 km. Das heißt, die Familien haben nun keinen Anspruch auf eine Schülerfahrkarte mehr. Der für sie laut Stadtverwaltung zumutbare Schulweg führt nun von der Mühlenbergstraße bis zum Schulzentrum am Gelben Morgen: Zu einem großen Teil immer entlang der B 515 / Westtangente.
An der stark befahrenen Unnaer Landstraße waren für die beiden Frauen Atemwegsreizungen deutlich zu spüren. „Hier würden mich die Ergebnisse einer Luftqualitätsmessung interessieren. Falls noch nicht durchgeführt, werden wir eine solche Messung beantragen" folgert Ingrid Ketzscher. Denn es gibt einen unbelasteteren Parallelweg, der aber länger ist und deshalb nicht als Grundlage für die Schulwegmessung galt.
„Auffallend war, dass etliche Kinder allein den Schulweg gingen - und dies auf teilweise einsamen Wegpassagen" stellten die Jugendpolitikerinnen fest. Eine junge Schülerin äußerte sich auf Nachfrage: „Mir ist der Weg einfach zu weit. Das strengt sehr an. Weil meine Schulfreundinnen fahren, laufe ich aber jeden Tag allein hier lang."
„Natürlich muss es Regeln geben, ab welcher Schulweglänge Busfahrkarten erstattet werden. Die Frage ist nur, wie mit den Regeln umgegangen wird" erklärt Dagmar Hanses. „Ich frage mich, ob es wirklich zumutbar ist, Schüler jeden Tag zweimal auf diesen Schulweg zu schicken, der über weite Strecken ausgerechnet entlang der meistbefahrenen Straße Mendens führt. Auch soziale Ausgrenzungen darf es nicht geben. Einsam auf dem Schulweg, weil alle anderen sich eine Fahrkarte leisten können? Hier müssen individuelle Lösungen gefunden werden."
Bei der Bemessung dürfe nicht allein die Kürze des Weges Maßstab sein, sondern die Eignung für Kinder. Darin sind sich die Politikerinnen einig. Die gewonnenen Eindrücke vor Ort nimmt Dagmar Hanses mit nach Düsseldorf.
Hier noch einige Eindrücke von der Schulwegbegehung:
