Veranstaltung zu Integration als Gegenpol zur Sarrazin-Lesung
Artikelinfos:
Datum: 10.11.2010Ihre AnsprechpartnerInnen:
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Ingrid Ketzscher ist Vorsitzende des Grünen Ortsverbandes. Sie ist stellv. Sprecherin der Ratsfraktion, Mitglied im Integrationsrat und kinder- und jugendpo-litische Sprecherin der GAL.
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Michel Krause ist 2. Vorsitzender der Mendener Grünen, Mitglied der Grünen Jugend und vertritt die GAL im Kulturausschuss.
Am 10.11. luden die Katastrophen Kultur und die Mendener Grünen zu einer gemeinsamen Veranstaltung im Scaramouche ein. Das Datum war nicht zufällig gewählt: Grüne und Katastrophen Kultur setzten damit einen bewussten inhaltlichen Gegenpol zur Sarrazin-Lesung, die am darauf folgenden Tag in Menden stattfand.
„Stell Dir vor, Sarrazin liest - und keiner geht hin. Diese Vorstellung ist ebenso schön und unwirklich wie z.B.: Stell Dir vor, die Bildzeitung wird gedruckt und keiner liest sie. Realität ist, dass die Kassen sowohl bei Springer als auch bei Sarrazin kräftig klingeln und dass eine Menge Phrasen und gefährliche Thesen verbreitet werden - und auf offene Ohren stoßen. Wir können das nicht verhindern, wir können aber einen Kontrapunkt setzen, wir können andere Töne zum Klingen bringen."
Mit diesen Worten leitete Grünen-Vorsitzende Ingrid Ketzscher den Abend mit Murat Isboga ein. Sehr persönlich und authentisch schilderte der Literatur,- Kultur- und Medienpolitikstudent seine Bildungsbiografie und bot Szenen aus seinem Leben auf eine humorvolle Weise dar. Der ernste Kern seiner Aussagen war dennoch zu spüren.
„Geh endlich da hin, wo Du hingehörst!" dieser Satz seines Lehrers veranlasste den Gymnasiasten Murat vor Jahren dazu, vom Gymnasium zur Hauptschule zu wechseln, wo er sich wohler fühlte, schließlich war er dort nicht mehr der einzige türkische Schüler. Erst das Kennenlernen studierter Türken boten Murat Vorbild und Motivation, im Abendgymnasium sein Abitur zu absolvieren. Integration braucht Vorbilder. Das war eine der Botschaften, die rüberkam. Murats Werdegang steht stellvertretend für den vieler türkischer Schülerinnen und Schüler.
Gekonnt zog Isboga das Publikum mit ein in seine Inszenierung. An einschlafen war nicht zu denken. Der spontane Ausspruch eines türkischen Zuschauers nach der Vorführung: „Ja, ich habe mich dauernd selbst gesehen bei den gespielten Szenen."
Murat Isboga, Regisseur und Intendant der
türkisch-deutschen Amateur-Theatergruppe "Halber Apfel", setzt sich privat und beruflich schon seit Jahren für Dialog und
Kulturaustausch ein, er war schon in mehreren Integrationsprojekten
tätig. Die Theatergruppe ist übrigens im April auf Einladung des Mendener Integrationsbeauftragten mit ihrem Stück "Stefanie integriert
die Öztürks" auf der Wilhelmshöhe zu Gast.
Musikalisch eingeleitet wurde der Abend von zwei Musikern
der Lüdenscheider Nachwuchsband "change and stay": Jan Santen (Gesang)
und Mesut Arslan (Gitarre / 2.Stimme) sind beide 17 Jahre alt.
Nachfolgend noch ein paar Stimmen aus der Vorankündigung, zwei Fotos vom Abend sowie der Bericht des Hellweger Anzeigers zur Veranstaltung.
Murat Isboga: "Integration setzt Kommunikation und gegenseitiges Verständnis voraus. Ich freue mich deshalb auf viele Gäste an dem Abend. Hoffentlich wird es ein gemischtes Publikum auch mit Beteiligung meiner Landsleute."
Michel Krause, stellv. Vorsitzender der Mendener Grünen: „In Menden leben viele Nationalitäten und Kulturen miteinander. Integration passiert bei uns längst und gelingt in unserer Stadt an vielen Stellen. Wir wollen ein klares Zeichen setzen, dass wir die gewachsenen Brücken zwischen den Kulturen auf- und weiterbauen wollen und nicht abbauen!"
Peter Neuhaus ergänzt für die Katastrophen Kultur: „Wir zeigen mit unserer Veranstaltung, dass wir in unserer kleinen Stadt auch weiterhin MIT allen Menschen leben wollen und nicht gegen sie. Und dass wir uns positionieren gegen rassistische Thesenklopferei.“
Jan Santen und Mesut Arslan singen
Murat Isboga (rechts) hat Ingrid Ketzscher und Michel Krause als Hilfe bei der szenischen Lesung auf die Bühne geholt
